Meinungsfreiheit in China

Das Organisationsteam der «Langen Nacht der Demokratie» konnte den chinesischen Blogger und Menschenrechtsaktivisten Dejun Liu für einen Auftritt am 15.09.2018 in der Stadtbücherei in Augsburg gewinnen. Er wird aus seiner Erfahrung berichten, was geschieht, wenn Meinungs- und Pressefreiheit massiv eingeschränkt werden.

Der chinesische Blogger und Menschenrechtsaktivist Dejun Liu dokumentiert seit 15 Jahren Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat. Bestürzt über die Ausbeutung der Wanderarbeiter*innen, ließ er sich selbst in einer großen Fabrik in der Arbeiterstadt Guangdong anstellen, um die die dort Tätigen über ihre Arbeitsrechte aufzuklären. Anschließend gründete er eine Organisation mit dem Ziel, Wanderarbeiter*innen durch rechtliche Schulungen vor Willkür und Ausbeutung zu schützen. Darüber hinaus unterstützte er Menschen, die in die Obdachlosigkeit getrieben wurden, nachdem ihre
Häuser für Großprojekte illegal abgerissen wurden. Immer wieder wurde er verhört und inhaftiert, im Gefängnis misshandelt und anschließend in einem Vorort von Peking ausgesetzt. Seine Geschichte wurde von dem Künstler Ai Weiwei eindrucksvoll verfilmt.

Misshandlung durch die Polizei und Willkür bei Verfolgung und Verhaftung blieben die Themenschwerpunkte in seinen Blogs. Nachdem immer mehr seiner Freunde verschwanden und seine Familie zunehmend Repressionen ausgesetzt wurde, traf er die schwere Entscheidung, das Land zu verlassen. Von November 2013 bis November 2016 war er Stipendiat im Writers in Exile-Programm des deutschen PEN-Zentrums in Nürnberg. Im Februar 2014 wurde Lius chinesischer Blog zensiert und gelöscht, seitdem berichtet er auf der Internetseite www.freeinchina.org über Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat, u.a. auch auf Deutsch. Seit dem Sommersemester 2017 studiert Liu Dejun an der Universität in Erlangen Rechtswissenschaften mit dem Ziel, das Rechtssystem in China zu reformieren. Ein Text von Liu erschien 2017 in der PEN-Anthologie „Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren“ (S. Fischer Verlag).